Die Rivalität zwischen China und Amerika wächst – allen Freundlichkeiten beim Besuch von Staatschef Hu Jintao in Washington zum Trotz. Von Matthias Naß
Washington empfing Chinas Staatspräsidenten Hu Jintao in dieser Wochemit allem Pomp, den das amerikanische Protokoll entfalten kann, inklusive 21 Schuss Salut vor dem Weißen Haus. Der wichtigste Staatsbesuch seit vielen Jahren sollte ohne Makel, ohne Zwischenfälle und Peinlichkeiten über die Bühne gehen.
So ganz klappte das nicht. Irgendetwas geht immer schief, wenn Amerikaner und Chinesen sich treffen. Diesmal funktionierte bei der gemeinsamen Pressekonferenz die Übersetzung nicht. Und, besonders hübsch, der Chef von Coca-Cola prostete dem Chinesen mit einem herzhaften japanischen "kanpai" zu statt mit dem wohl extra gelernten chinesischen "ganbei".
Das alles vermochte die verordnete Harmonie jedoch nicht zu trüben. Die auf amerikanischer Seite aber um Himmelswillen nicht als Nachgiebigkeit gedeutet werden sollte.
Denn Barack Obama war bei seinem Staatsbesuch im November 2009 in Peking schnöde abgefertigt worden. China hatte den jungen Präsidenten gewogen und für zu leicht befunden – ähnlich wie einst der sowjetische Parteichef Nikita Chruschtschow bei seinem Treffen 1961 in Wien den damaligen Präsidenten John F. Kennedy. Chruschtschow irrte sich in Kennedy. Den Chinesen könnte es mit Obama genauso gehen.
Der US-Präsident jedenfalls zeigte die Härte, die von ihm daheim erwartet wurde. In aller Klarheit sprach er die Streitthemen zwischen den beiden Staaten an: die unterbewertete chinesische Währung; die Diskriminierung amerikanischer Firmen in China; die Nachsichtigkeit Chinas mit dem unberechenbaren Nordkorea. Und natürlich die fortdauernde Verletzung der Menschenrechte in der Volksrepublik.
Hu Jintao macht seine eigene Liste auf: die amerikanischen Waffenlieferungen an Taiwan; die Treffen mit dem Dalai Lama. Aber er war nicht gekommen, um zu streiten. Sein Besuch sollte zweierlei demonstrieren: China spricht mit Amerika auf Augenhöhe, gleichsam von Weltmacht zu Weltmacht. Und Hu selber trifft Obama als ebenbürtiger Staatsmann.
Ihm dürfte das neueste amerikanische Gesellschaftsspiel gefallen, die Frage nämlich, wer von beiden der Mächtigere sei. Das US-Magazin Forbes hat sie für sich beantwortet: Hu ist es; Obama ist die Nummer zwei!
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